Montag, 20. Dezember 2021

A Supernatural Christmas: A Hairy Tale: Tag 4 (1/2)

 Tag 1     Tag 2     Tag 3

Getrennte Wege

Dean und Misses

Um sechs Uhr morgens fanden wir uns am Tatort ein. Selbstverständlich teilten wir uns auf: das eine Team sollte den Spuren vom Ort des Geschehens aus folgen, das andere Team griff die Spuren ab der Telefonzelle auf. 
Der Schnee reflektierte das Licht unserer Beleuchtungsgerätschaften, und erstaunlicherweise kam mir der Wald nicht ganz so düster vor. Dean und ich waren ab Fundort des Toten losmarschiert, während Emil und Sammy die Telefonzelle als Ausgangspunkt wählten. Mir schien es endlos, den Spuren zu folgen, zumal man die Hufabdrücke äußerst schwer erkennen konnte. Ich meine, hallo, wir waren hier in einem riesigen Forst! Unser seltsamer Mörder war nicht das einzige Tier, das hier herumlief. Immer wieder daddelte uns Schnee auf den Kopf, und nach mehr als einer Stunde hatte ich richtig miese Laune. Und nicht nur ich. Doch mein Bruder hatte es, ungeschickt wie Menschen nunmal sind, etwas schwerer, sich seinen Weg durch das eisige, schneebedeckte Gehölz zu bahnen. Irgendwie hatte ich ihn dann scheint's nach einer Weile abgehängt, denn auch auf mein Rufen hin antwortete Dean nicht. Leichte, ganz seichte Panik ergriff mich. Was, wenn der Täter hier ganz in der Nähe, wir ihm also dicht auf den Fersen waren? Und noch schlimmer: was, wenn er sich Dean gekrallt hatte, im wahrsten Sinne des Wortes? 
So gut ich konnte folgte ich dem Weg zurück, in der Hoffnung, Dean irgendwo wohlbehalten aufzufinden. Gerade in dem Augenblick, als ich zu meinem Fernkommunikationsgerät griff, um die andere Hälfte unseres Gespanns um Hilfe zu rufen, hörte ich ein Ächzen und Stöhnen.
"Dean?" rief ich leise.
"Sweetie, hier bin ich." Seine Stimme klang ganz schön mitgenommen.
Und so fand ich ihn auch: am Boden sitzend, sich den Kopf haltend.
"Ich habe ein Knacken gehört, als würde mir jemand folgen, und bin wohl gestolpert, als mir was auf den Kopf gefallen ist," stöhnte er.
Ursache des Sturzes war eine Wurzel, die aus dem Boden hervorragte, und die man vor lauter Schnee nicht hatte sehen können. 
"Das hätte jedem passieren können."
"Ja klar," sagte Dean, "jedem. Ist aber mir passiert. Mir brummt der Schädel."
Ich besah mir seine Kopfwunde.
"Was ist dir auf den Kopf gefallen?" wollte ich wissen.
"Ich weiß nicht. Es fühlte sich wie ein Schlag an."

"Ja, sieht auch übel aus. Wir müssen die Wunde waschen und kühlen."
Dean stöhnte und beugte sich nach vorne, die Hände auf die Knie abstützend. Er atmete einige Male tief durch und sagte:
"Geht schon wieder."
"Nix da," sagte ich resolut, bedeutete ihm sich wieder hinzusetzen, und ballte einen Schneeball, mit dem ich seinen verletzten Kopf abrieb und kühlte. Er wollte es nicht zugeben, aber an seinem Gesichtsausdruck sah ich, das es ihm nach meiner Behandlung besser ging.
"Vielelleicht sind wir dem Mörder ganz nah," sagte ich leise. "Denn da vorne sind keine Fußspuren mehr. Jedenfalls keine von Hufen."
Dean sah mich erstaunt an.
"Dann müsste der Kerl aber echt leise sein..."
Ich nickte.
"Wenn er im Wald lebt und sich versteckt, dann wird er das beherrschen. Möglich, das er dich niedergestreckt hat."
Deans Augen funkelten. "Er hat mich nicht niedergestreckt! Ich bin nur... ich bin gestolpert. Das hätte jedem passieren können."
"Ja klar. Das hatten wir schon." Ich konnte mir ein kleines Grinsen nicht verkneifen, und Dean lächelte schief.
"Wir sollten das den anderen beiden mitteilen. Hier ist Sackgasse."
Wir liefen zurück zum Fundort der Leiche und beschlossen, uns am Kekswagen etwas Nervennahrung zu besorgen.


Sam und Emil

Sam und Emil starteten bei der Telefonzelle und folgten den Spuren in den Wald hinein. 
"Mich wundert, das der Mörder die Polizei verständigt hat."
Emil nickte: "Das ist wirklich ungewöhnlich."
"Ja, sowas machen höchstens Serienkiller."
Emil sah Sam erstaunt an. "Wieso das?"
"Sie wollen Anerkennung für ihre Taten. Manche Serienmörder wollen geradezu, das man sie schnappt, damit sie sich offiziell ihrer Taten rühmen können. Diese Psychopathen meinen, das ihre Morde eine Art Kunst sind."
Emil erschauderte.
"Das ist wirklich sehr krank. Sowas gibt es bei uns Zwergen nicht." Seine Stimme verriet den Stolz.
Sam musste grinsen.
"Ich kenne keine Zwerge, ehrlich gesagt. Natürlich außer Misses und dich."
"Hier gibt es kaum welche. In Misses alter Heimat gab es wohl eine ganze Menge. Hätte ich gerne mal kennengelernt." Er seufzte.
Sie stapften bedächtig weiter durch den Schnee, immer vorsichtig den Spuren folgend.

"Es sieht aus, als hätte es der Täter sehr eilig gehabt, sich vom Tatort zu entfernen," sagte Emil nachdenklich.
"Wie kommst du darauf?"
Emil deutete auf die Spuren. "Hier überschlagen sich seine Füße fast. Er ist gerannt. So wie es aussieht, lief er mit der Zeit immer schneller."
"Du meinst, am Anfang hatte er es nicht so eilig, dann aber schon?"
"Japp, ganz genau. Aber warum? Hörte er die Polizeisirene? Oder hat ihn womöglich jemand gesehen?"
"Oder -" Sam blieb aprupt stehen, "hier in der Nähe ist sein Unterschlupf, und er wollte nach Hause um sich zu verstecken."
Er ließ seine Taschenlampe in der Umgebung kreisen.
"Das da vorne, das sieht doch nach einem Felsen aus," sagte Sam schließlich.
Die beiden näherten sich dem Gebilde, das unter dem Schnee nicht genau zu erkennen war. Sie tasteten es ab und entfernten an manchen Stellen den Schnee. Ein Felsen, wie Sam gesagt hatte. Immer mehr Schnee schaufelten sie mit den Händen beiseite, bis ein großes Stück des Steins freigelegt war. Aber es gab keinen Eingang, der Fels war massiv.
Emil suchte den Boden ab, ob hier noch irgendwo Spuren zu finden waren. Nichts. 
"Sieh mal hier!" rief er Sam zu. Sam eilte herbei. "Hier sind gebrochene Zweige. Hier ist also jemand langgelaufen oder hat sie abgebrochen, um die Spuren zu verdecken."
Ihr Weg, den abgeknickten Zweigen folgend, führte sie geradewegs um den Felsen herum, zur Rückseite. Bei dem Anblick, der sich ihnen bot, konnte keiner von beiden seine Überraschung verbergen.


Das Team vereint

Deans Handy klingelte.
"Wir sind den Spuren von der Telefonzelle aus gefolgt. Und ratet, was wir entdeckt haben?" sagte Sam.
"Was, jetzt sag schon!" antwortete Dean, der sich den letzten Rest seines Printenmännchens in den Mund stopfte.
"Eine Hütte. Jedenfalls sieht es aus wie eine Hütte..." rief Emil freudig.
"Wow, ist ja unglaublich!" unterbrach Dean. "Eine Hütte mitten im Wald!"
"Nein, du Blödmann," lachte Sam, "es sieht nur aus wie eine Hütte! Es ist wohl ein Bretterverschlag, der an einer Seite des Felsens befestigt ist. Es sieht alles irgendwie unecht aus."

Wir machten uns auf zur Telefonzelle, (war ja jetzt nicht so der weite Weg, da wir noch bei Keksi am Gebäckwagen standen und mampften) an der uns Emil und Sammy aufgreifen wollten.
Die andere Hälfte unseres Teams leitete uns zielstrebig zu dem Felsen, den sie am Ende der Hufspuren aufgespürt hatten. Die Hütte sah behelfsmäßig aus, wenn man genauer hinsah. Und für sowas habe ich ja einen Blick! 
"Nur so drangelehnt," gab ich mein Urteil ab, "um zu verbergen, das hier jemand wohnt."
"Ja, nicht sehr stabil," sagte Emil leise und kickte mit der Fußspitze gegen das Gebilde, das daraufhin vibrierte und wackelte.
"Aber wo ist der Eingang?" wollte Dean wissen. "Ich mein, der muss doch irgendwo rein gehen können."
Wir suchten an allen Seiten, aber konnten keine Tür oder ein Tor ausfindig machen. Das dämmrige Licht erleichterte uns die Suche nicht gerade. Es wollte hier einfach nicht richtig hell werden. Sams Taschenlampe flackerte, und das ist immer das Zeichen, das die Suche für diesen Tag beendet sein sollte. Aber wir wollten so kurz vor dem Ziel nicht aufgeben.
"Wir sollten abbrechen und später wiederkommen," sagte Emil. "Er riecht nach Schnee, das ist unsere Chance, unbemerkt abzuhauen."
"Hier riecht alles nach Schnee... " sagte Dean bissig.
"Es wird schneien, und zwar bald," betonte ich nachdrücklich.
"Erzähl mir was neues," gab Dean zurück.
"Und ich brauche was zu essen. Ich verhungere gleich," sagte Emil und beendete das Geplänkel.
"Wir werden heute Nacht wieder herkommen, mit frisch geladenen Beleuchtungsgerätschaften. Damit wir nicht plötzlich im Dunkeln stehen." 
Sam lächelte schief, denn diese Spitze ging an ihn.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen