Sonntag, 19. Dezember 2021

A Supernatural Christmas: A Hairy Tale: Tag 3

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  Da wir tags zuvor früh Feierabend gemacht hatten, begannen wir am dritten Tag unserer Ermittlung sehr früh. Dean und ich waren - mal wieder - das Außenteam. Heute kam der Food-Truck dran. Insgeheim war ich natürlich hocherfreut, denn ich sah die Chance, backfrische Printenmännchen verspeisen zu dürfen.

 Wir fuhren zum Ort des Geschehens hinaus. Dean war es natürlich nicht gewohnt, ohne sein Baby unterwegs zu sein, und seine Laune war nicht die beste um die Uhrzeit. Konnte ich gut verstehen, bin auch ich ein ausgezeichneter Morgenmuffel. Doch kaum hatten wir in der Nähe des auf der Visitenkarte angegebenen Wegpunktes angehalten, strömte uns schon der verführerische Duft von Lebkuchen und Keksen in die Nasen.
"Dann mal auf zur Recherche," rieb Dean sich grinsend die Hände. Plötzlich gute Laune, und das bei der Kälte?!
Der "Food-Truck" entpuppte sich als alter Bauwagen, der zu einem kleinen Backwagen umfunktioniert worden war. Noch ehe ich etwas zum Besitzer sagen konnte, kam schon Deans Frage:
"Gibt's auch Kuchen?"
"Guten Morgen," sagte der dünn bekleidete Bäcker fröhlich lächelnd, der im Wagen selber wohl gewisser Hitze ausgesetzt war. Ich war neidisch, denn ich fror mir hier draußen den Hintern ab. "Nein, keine Kuchen, aber die besten Kekse und Printen weit und breit."
"Weit und breit... ist ja keine Kunst," murmelte Dean mit einem weitschweifenden Blick auf die umgebende Landschaft, in der es nichts gab außer Bäume, Schnee, Straße und sonst nichts. Ach doch, klar, eine Telefonzelle!
"Ich nehm' erstmal hiervon ein paar," zeigte Dean auf große Kekse mit Schokoladenstückchen.
"Aber gerne doch!" sagte der Typ und sang die Worte fast, während er meinem Bruder die Kekse auf einem angewärmten Teller servierte. Das Schmatzen und die "oooh, lecker!"-Laute waren nicht zu überhören.
"Zur Zeit habe ich Spekulatius in der Probierwoche. Gratis," sagte der leichtbekleidete Bäcker lächelnd.
"Vor zwei Tagen wurde hier in der Nähe eine Leiche gefunden. Es hieß, kurz nachdem der Mann gestorben war, wurde von dieser Telefonzelle aus ein Gespräch abgesetzt," wandte ich mich an den Kekstypen.
"Ach ja, genau," murmelte Dean mit vollem Mund. "Wissen Sie was darüber?"
Der Typ kratzte sich am Kopf: "Ein Leiche? Hier?"
"Nein, Mann," sagte Dean unbeherrscht, "nicht direkt hier. Um die Ecke. Also ungefähr ---" er zeigte wahllos in den Wald hinein, "--- da hinten."
"Darüber weiß ich nichts," antwortete Keksi.
"Das ist auch nicht die Frage," sagte ich mahnend. "Ich möchte wissen, ob du jemanden gesehen hast, der vor zwei Tagen hier telefonierte? Von dieser Telefonzelle aus?"
Mein Magen knurrte und ich wurde wirklich übellaunig. Also bestellte ich mir ein großes Printenmännchen. Ach, war das lecker! So fluffig und knusprig, so duftend, weich und einfach köstlich! Okay, zurück zum Thema... 
Der Typ überlegte lange, bis er dann plötzlich eine Eingebung zu haben schien: "Stimmt, ja, stimmt! Hatte ich schon ganz vergessen!"
(In diesem Moment fragte ich mich, ob er noch was anderes in seine Kekse tat außer Schoki, Vanille, Zimt, Rosinen und andere süße Sachen.)
"Da war so ein komischer Dude, der hatte eine ziemlich pelzige Hose an. Und komische Füße. Und Hörner. Der war ziemlich gestresst. Hatte es voll eilig zum Telefon. Ich dachte nämlich noch, das der mal ein bißchen runterkommen muss. Wollte ihm schon einen von meinen speziellen Cookies geben, aber der hat mich nicht mal gehört."
Mein Verdacht hatte sich also bestätigt: dieser Dude buk seine 'speziellen' Kekse tatsächlich noch mit anderen Zutaten als nur Süßkram.
"Okay, zuerst dachte ich, ich hätte mir das nur eingebildet. Aber jetzt wo ihr danach fragt weiss ich ja, das es nicht an meinen Keksen lag." 
Er grinste und ich haute mir gedanklich vor die Stirn, während Dean sich an seinen Keksen fast verschluckte.
"Und war er sonst noch irgendwie... " sagte Dean und ließ ab von den restlichen Keksen auf seinem Teller, "auffällig?"
"Nicht das ich wüsste," sagte der Typ. "Er hatte nur echt lange Finger. Aber so genau konnte ich das von hier aus nicht erkennen. Der sah nur irgendwie aus wie ein Teufel."
"Ein Teufel?" hakte Dean nach. Langsam wurde die Sache wohl doch interessant. "Du meinst wie Luzifer?"
"Naja, ich weiß nicht. Ich habe den Teufel ja noch nie gesehen."
"Dein Glück," brummte Dean.
"Aber so wie er auf Bildern manchmal dargestellt ist. Aber auch wieder ein bißchen anders..."
"Ein bißchen anders?" Deans Geduld war aufgebraucht. Er hatte also doch keine 'speziellen Kekse' bekommen. Puuh!
"Ja," sagte Keksi, "er sah zwar ein wenig dämonisch aus, aber das Gesicht war menschlich. Nur eben die Hörner, die passten nicht. Und untenrum eben ein bißchen wie 'ne Ziege. Ansonsten ist mir nix aufgefallen."
"Aha." Deans letztes Wort, das wusste ich.
"Ich nehme noch zwei Beutel Kekse, ein paar Schachteln Lebkuchen und ein paar Printen mit, bitte," meldete ich mich abschließend zu Wort. Denn sowas Gutes durfte ich Emil nicht vorenthalten. Und vielleicht wollte Sam auch mal was zum Naschen.


Zurück im Motel fielen das Innenteam - voran nartürlich der Funkelstein - gierig über den frischen, aromatischen Süßkram her. Auch ich gönnte mir noch eine Printe, während Dean sich dann doch nochmal an den Keksen gütlich tat.
Sich die Krümel elegant vom Mund abtupfend begann Sammy:
"Wir haben nichts gefunden. Es ist tatsächlich, wie euer Freund Barabajagl sagt, das die Faune oder auch Pan friedlicher Natur sind, und sie zur Fröhlichkeit und Fruchtbarkeit anregen. Es gibt keine Seite, die etwas anderes belegt."
Nun war es an uns, unsere Neuigkeiten mitzuteilen: nämlich das, was Keksi uns vorhin am Backwagen verklickert hatte.
Sam musste nicht mal zuende lauschen, schon huschten seine Finger munter über die Tastatur des Laptops.
"Es gibt hier eine Seite, die von einem anderen Behuften berichtet: dem Krampus. Wir hatten vor vielen Jahren schonmal mit dieser Legende zu tun."
"Und wer war der Mörder?" wollte Emil begierig wissen.
"Dieser Fall hat nichts mit dem jetzigen gemeinsam," warf Sam ein, "und wir sollten uns damit nicht aufhalten."
Dem stimmten wir alle zu, auch wenn Emil ein wenig beleidigt war, das er keine aufklärende Antwort bekam. Ich flüsterte es ihm zu, während Sam die Webseite präsentierte, die er eben aufgetan hatte.
"Hier geht es nicht nur um Krampus. Die Legende auf dieser Seite spricht davon, das Krampus noch einen Verwandten hat, der von seiner Familie verbannt wurde. Über das Warum wird nur spekuliert. Vielleicht setzen wir hier an?" 
"Und wie ist der Hinweis?"
"Seht euch mal das Bild an. Hufe, Hörner, Ziegenkörper und lange Finger oder Klauen." Sam rief die Grafik ab, die auf der Seite veröffentlicht war und Krampus Verwandten darstellen sollte.
"Das könnte tatsächlich der sein, nach dem wir suchen," nickte Dean. "Aber wo fangen wir an?"
"Erstmal," wandte Emil ein, "folgen wir den Spuren, solange es nicht schneit. Vielleicht finden wir heraus, wo er nach dem Anruf hingegangen ist. Wenn keine Spuren mehr da sind, nehmen wir uns alle Orte in Tatortnähe vor, in denen man Unterschlupf finden kann."
Das war eine klare Ansage, und ich stimmte Emil absolut zu.
"Heute Abend noch?" wollte Dean wissen, der ein wenig unmotiviert zu sein schien.
"Nein, dafür wieder ganz früh am Morgen," auch hier wieder eine klare Ansage vom Funkelstein.
"Alles klar, dann ab ins Bett!" sagte Sam, und ich hörte noch die Tür knallen, als Dean sich vom Acker machte. Da hängte ich mich gleich wieder dran, denn das hieß nichts anderes als: "Ich brauch' noch 'n Drink!"

Ich rief hinter Dean her. So schnell konnte ich wirklich nicht rennen, das ich seinen flotten Schritt noch eingeholt hätte. Ein wenig außer Atem erreichte ich ihn und wollte gerade einen Vorschlag unterbreiten, als mein Kommunikator bimmelte.
"Hallo Rederiksen," sagte ich und betätigte die Lautschalt-Kurbel, damit Dean mithören konnte, was der Polizeibeamte zu sagen hatte.
"Wir haben die Ergebnisse aus dem Labor bekommen," surrte Rederiksons Stimme. "Wegen der Haare am Tatort und an der Leiche."
"Ja, und?" fragte Dean ungeduldig.
"Sie stimmen überein. Es konnten keine anderen Haare gefunden werden. Sie stammen also vom Täter."
Das war eine Neuigkeit, die wir den anderen beiden nicht vorenthalten durften. Dean wirkte etwas angepieselt, wäre er doch lieber was trinken gegangen. Aber so führte uns unser Weg geradewegs zurück ins Motel, um Emil und Sam die Nachricht mitzuteilen.
"Ich geh' jetzt trotzdem noch was trinken," sagte Dean und wandte sich an mich. Doch ehe er erneut zur Tür hinausstürmen konnte, sagte ich:
"Wie wär es denn, wenn wir uns was zu trinken aufs Zimmer holen und Musik hören? Und wenn der Fall abgeschlossen ist, gehen wir einen heben."
Dean überlegte einen Moment.
"Einen heben gehen, klingt gut. Okay, so machen wir's."

Denn obwohl ich ja immer dafür zu haben war, in einer Bar die Nacht zum Tag zu machen, wollte ich meine Sinne für den Fall beieinander haben. Und das könnte doch leicht ausarten, wenn ich mit Dean um die Häuser ziehen würde. So besorgte Emil eine Kiste Bier und eine Buddel Whisky, und Dean stellte sein Mobilgerät laut, damit wir unsere Sinne mit etwas klassischem Rock berieseln konnten.

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